Gabriele hat mich ein paar Jahre begleitet. Manchmal war ich öfter in kürzeren Zeitabständen bei ihr und manchmal lagen ungefähr ein oder zwei Monate oder mehr dazwischen. Dies wechselte sich ab. Ich bin mir im Klaren, dass sie keine Psychologin ist, aber das Ende unterer Treffen hätte ich mir aus menschlicher Sicht anders vorgestellt. Ich hatte ihr all die Jahre voll und ganz vertraut, aber aus meiner Sicht hat sie es am Ende einfach nur gebrochen. Als ich von einem Mann übergriffig zum Sex genötigt wurde, schilderte ich ihr dieses frisch erlebte Erlebnis. Ich war vollkommen aufgelöst und wusste damals nicht wohin mit mir selbst und ob mein Leben überhaupt noch einen Sinn hat. Sie war zu dem Zeitpunkt meine einzigste Ansprechpartnerin, da ich weder Familie noch Freunde zu dem Zeitpunkt hatte, an die ich mich wenden konnte. Das wusste sie auch. Sie empfiel mir eine Anlaufstelle für Frauen denen Ähnliches passiert ist. Ich ging dorthin. Dort war eine freundliche Frau, die mich erstmal eine vieertelstunde betreute und beruhigte. Kurz gesagt konnte sie mir wegen fehlender Kapazitäten nicht mehr als über dieses Erstgespäch weiter helfen und teilte mir das mit. Ich versuchte es mehrmals auch an anderen Anlaufstellen und beim Frauennotruf, aber auch diese hatten keine Kapazitäten für mich frei. Deshalb ging ich auf Gabriele zurück, da sie mein einziger und letzter Halt war zu der Zeit. "Ich sei daran selbst Schuld was mir durch den Mann passierte und ich sollte schauen wo ich damit bleibe" - So lautete ihre Devise dann in Kurzfassung. Ich war am Boden zerstört, da es mir eh schon schwer genug fiel, mir Hilfe von außen zu suchen. Mir war klar, dass ich fallen gelassen worden war und damit vollkommen allein gelassen wurde. Ich hätte mir von ihr einfach Gespräche gewünscht, die in der Zeit nach dem Erlebnis aufbauend gewesen wären bzw. dass sie mir einfach zugehört hätte. Diese Gespräche hätten nicht mal in die Tiefe gehen müssen, sondern, dass jemand einfach da gewesen wäre. Einfach einen menschlichen Umgang und dass mein Vertrauen, das ich ihr all die Jahre geschenkt habe, nicht einfach so von ihrer Seite gebrochen gewesen wäre. Was ich unabhängig davon anführen möchte ist: Ich weiß, dass einige zu ihr gehen und man sich deshalb nicht jedes Detail eines jeden merken kann. Ich hatte jemanden erwartet, der mir zuhört und sich zumindestens die aller wichtigsten Eckdaten wie z.B. welcher Beruf (um den es immer mal wieder sehr ausführlich ging) von mir merkt. Aber selbst meinen Beruf wusste sie nach all den Jahren beim letzten Gespäch nicht mehr. Da stellte sich mir die Frage, ob sie mir all die Jahre überhaupt zugehört hatte. Auch wirkte sie an mancher Stelle im letzten Gespräch zynisch und verspottend meinen Problemen gegenüber. Ich fühlte mich fallen gelassen und nicht ernst genommen.
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