Binz steht beispielhaft für den rasanten Aufstieg der Ostseebäder ab 1870. Das Museum Ostseebad Binz zeigt, dass das eigentlich schon 1318 erstmals urkundlich erwähnte Dorf bis dahin nahezu bedeutungslos war. Hauptsächlich Fischer und Bauern lebten in der Siedlung, in meist kleinen ärmlichen Fachwerkhäusern, die sich an einer einzigen ungepflasterten Straße entlang reihten, der heutigen Bahnhofstraße. Binz befand sich noch ganze 1,3 Kilometer vom Strand entfernt! Das Dorf zählte weniger als 100 Einwohner. Fürst Wilhelm Malte I. erkor 1816 zunächst auch nicht Binz, sondern seine Residenz Putbus zum "Seebad" auf Rügen. Die Entscheidung hatte nur den klitzekleinen Schönheitsfehler, dass Putbus am Greifswalder Bodden lag und nicht an der eigentlichen Ostsee. Die Sommerfrischler aus Berlin zog es folglich eher an den langen weißen Sandstrand von Binz. Dorthin ließ der Fürst sie ab 1826 mit der Kutschen bringen. Wilhelm Malte ordnete auch die Anlegung von ersten Badesteigen und Umkleidekabinen an. Es fehlte aber zunächst an Unterkünften direkt am Meer. Die ersten Badegäste kamen noch in Ställen unter; das Vieh wurde notdürftig und zeitweise anderweitig untergebracht. Die wohlhabenden Gäste mussten ihr eigenes Mobiliar mitbringen. Um mehr Zimmer vermieten zu können, erweiterten die Anwohner bald die "Unterkünfte" und stockten diese um weitere Etagen auf. Im Jahr 1870 kamen dann immerhin schon 80 Badegäste in das Dorf, 15 Jahre darauf waren es schon etwa zehnmal mehr. Sie versprachen sich eine gesundheitsbefördernde Wirkung von der frischen Seeluft. In Binz begann nun ein regelrechter Bauboom; das Dorf breitete sich mit Pensionen, Hotels und Geschäften in Richtung Strand aus. Allein zwischen 1885 und 1900 wuchsen nahezu 60 Häuser in den Himmel. Die betuchten Urlauber trafen sich zu geselligen Zusammenkünften im 1890 eröffneten Kurhaus. Hier wurden Zeitungen gelesen und diskutiert, geraucht, Billard gespielt, gekegelt, Konzerte gehört und das Theater besucht. Die meisten Gäste reisten per Schiff an und legten in Binz an der 560 Meter langen Seebrücke an, die 1902 feierlich eingeweiht wurde. Über sie gelangte man bequem von der See in den Ort. Auf der Brücke existierte ein Restaurant und diverse Verkaufsstände. Die Seebrücke wurde daher ein beliebter Treffpunkt und am 28. Juli 1912 leider Schauplatz einer Katastrophe. Unter der Last der anlegenden 200 Gäste stürzte ein Brückenanleger ins Meer. Mehr als ein dutzend Menschen ertranken. Die meisten zuschauenden Brückenbesucher waren Nichtschwimmer und konnten nur hilflos zusehen. Die Tragödie blieb jedoch nicht folgenlos. Sie war der Anlass dafür, in Leipzig im folgenden Jahr eine bis heute bestehende Wasserrettungsorganisation zu gründen, die DLRG oder Deutsche Rettungsgesellschaft. Schon bis 1926 bildete der Verein 40.000 Rettungsschwimmer aus; die Zahl der durch Ertrinken zu Tode gekommenen ging um ein Drittel zurück. Das Museum ist auch interessant, da es die Wohnkultur in Binz veranschaulicht. Wer weiß schon, wie der Salon im Kurhaus im späten 19. Jahrhundert aussah, oder eine Bauernküche oder ein typisches Fremdenzimmer um 1914? Einen scharfen Kontrast zum bürgerlichen eleganten Binz entstand ab 1936 durch ein Projekt der nationalsozialistischen Massenorganisation "Kraft durch Freude". Im Ortsteil Prora sollte ein 5 Kilometer langer Gebäudekomplex mit Blick zum Meer erbaut werden. Er sollte 20.000 Urlauber aufnehmen, wurde aber glücklicherweise nie fertiggestellt. Der "Koloss von Rügen" ist ein schwieriges Erbe der NS-Zeit. Das dortige Dokumentationszentrum lohnt aber definitiv einen Abstecher und setzt die im "Museum Seebad Binz" erzählte Geschichte fort...
Fotos
Bewertungen
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Jannik Gorewoda ★★★★★
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N H ★★★★★
Ein sehr schönes und kleines Museum über die Entstehung des Seebades Binz. Freier Eintritt, eine Spende wird gerne genommen.
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Marcus B. ★★★★★
Vor der Abfahrt mit dem Rasenden Roland ein Muss. Da es eigentlich eine Bibliothek ist, ist der Eintritt frei, Spenden sind aber gerne gesehen. Die Ausstellung ist nicht so groß, daher ist man auch schnell durch. Wer seine Kinder, wegen der Wartezeit, beschäftigen will, kann mit ihnen die versteckten Fehler suchen.
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AMan Miller ★★★★★
Das Museum liegt fast ein wenig versteckt im Gebäude des Kleinbahnhof Binz. Der Zugang erfolgt über die benachbarte Bibliothek. Das Museum gibt einen schönen Einblick über die Geschichte von Binz. Die Exponate haben Flair und schaffen es gut eine kleine Zeitreise abzubilden. Das Museum ist kostenlos!
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Thomas ★☆☆☆☆
Ein Stern, weil man sonst nix schreiben kann. Voller Vorfreude und nach dem Lesen der positiven Reaktionen auf dieses Museum, machten wir uns auf den Weg. Leider empfing uns am Eingang ein Schild, das das Museum vorübergehend geschlossen ist. Kein Hinweis darauf, weder im Ort noch im Internet, das ist tüchtig dünne liebes Touristenzentrum Binz.
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Sabine Becker ★★★★★
Kleines, feines und kostenloses Museum im Kleinbahnhof von Binz. Man erfährt Interessantes aus der guten alten Zeit und zu Sehen gibt es auch einiges.
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Kathrin Maske ★★★★★
Ein wirklich schönes kleines Museum was sehr Liebevoll Dekoriert wurde. Es zeigt wie früher in Binz gelebt wurde.
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Andreas Ziegenfuß ★★★★★
Schönes kleines Museum mit Exponaten aus der Ortsgeschichte.
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Mario Lobitz ★★★★★
Ein richtig guter Einblick in die anfänge des Ostseebades Binz hat uns richtig gut gefallen können wir empfehlen mit Kurkarte eintritt umsonst ganz toll von hier aus danach eine Fahrt mit dem Rasenden Roland.
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Häufig gestellte Fragen
Wie lautet die Adresse von Museum Ostseebad Binz?
Das Museum Ostseebad Binz befindet sich in der Bahnhofstraße 54, 18609 Binz, Deutschland
Wie lautet die Telefonnummer von Museum Ostseebad Binz?
Sie erreichen das Museum Ostseebad Binz unter +49 38393 148121
Wie kommt man zum Museum Ostseebad Binz?
Zum Museum Ostseebad Binz gelangen Sie über den folgenden Link