Berlin-Kolleg
“Sobald die Reflexion darüber einsetzt und vergleicht wie ich mich gebar, bevor ich diesen Ort besuchte und jetzt nachdem ich ihn verließ, steht es außer Frage, dass ich am Berlin Kolleg gewachsen bin. Natürlich lief nicht immer alles perfekt und die Umstände waren alles andere als ideal, da ich durch einen vorausgegangenen Wohnungsverlust ohne Ersatzwohnraum in Berlin eine tägliche Pendelstrecke von knapp 150km auf mich vereinnahm, für die ich etwa 4-5 Stunden brauchte, rund 20 Stunden in der Woche die zum Nachbereiten des Unterrichts fehlten. Auch gab es Tage an denen ich den Sinn der Fahrt hinterfragte, beispielsweise als wir an unserem ersten Schultag aus DinA4 Blättern und Tesafilm eine Murmelbahn bauten, im Geschichtsunterricht im Zuge des Ukraine Krieges das Sat1 Frühstücksfernsehen geschaut haben oder in Mathe Onlineaufgaben lösten, die wir genausogut hätten auch Zuhause machen können. Trotz alledem ist es nicht übertrieben wenn ich sage, dass ich dort unsagbar viel gelernt habe. Der Unterricht war je nach Lehrkraft und Fach unterschiedlich gestaltet und aufgebaut. Während einige die Wideboards benutzten und den Stoff linear vortrugen, beharrten andere auf ihre Tafel und sprangen gerne in den Themen umher. Es ist normal, dass Lehrer als menschliche Wesen unterschiedliche Charaktere aufweisen und das Miteinander zwischen Individuen keiner Einheit unterliegen kann, doch wirklich jede und jeder nahm sich die Zeit, um auf die persönlichen Bedürfnisse aller Schüler einzugehen. Seien es Nachfragen, Einschätzungen, Hilfestellungen und selbst in einer persönlichen Ausnahmesituation, mein Hund verstarb in der Zeit, bekam ich wertvolle Hilfe unter anderem von der Schulsozialarbeit zur Trauerbewältigung. Es liegt noch nicht lange zurück dass ich das Kolleg verlassen habe und schon jetzt verspüre ich ein leichtes Gefühl von wehmut wenn ich an die Zeit denke, denn sie gab mir nicht nur Erkenntnis über die verschiedensten Themenbereiche, sondern auch Sicherheit und Struktur. Auch wenn ich schon viele dumme Entscheidungen in meinem Leben getroffen habe, gehört der Besuch des Kollegs definitiv nicht dazu und würde, stünde ich wieder am Anfang, jederzeit wiederholt werden. Ich möchte mich in aller Form bei allen Lehrkräften für ihren Input bedanken, jedoch meinen Mathetutor Herr Geus in besonderer Weise hervorheben. Die Wiederholung ist die Mutter der Weisheit, doch manchmal bedarf es den Mut nicht weise zu sein. Sapere Aude Non”