MEDIAN Fontana-Klinik Bad Liebenwerda
“Ich denke, wer mit den Erwartungen, nach 3 bis 5 Wochen als geheilt aus einer 5-Sterne Unterkunft entlassen zu werden, in eine Reha-Maßnahme geht, hat auch sonst Probleme, sich in der Realität zu orientieren. Fakt ist: eine Reha ist dazu da, Anregungen und Tipps zu geben, wie man sich selbst im Anschluss mit seiner Krankheit beschäftigen kann, um Erfolge zu stabilisieren oder - im Fall von rheumatologischen Erkrankungen - den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen. Dazu gehören verschiedene Therapien, Vorträge und vor allem der Wille zur Selbstverantwortung. Klar, es ist einfach, alle Verantwortung an Therapeuten und Ärzte abzugeben und wenn sich keine Besserung einstellt zu jammern und zu behaupten, dass alle unfähig sind. Aber da muss ich widersprechen und sagen, dass dann wohl der Einzelne eher der Unfähige ist. Unfähig, sich selbst in Bewegung zu setzen, unfähig, Hilfe zur Selbsthilfe anzunehmen oder unfähig, die eigene Erkrankung als das anzuerkennen, was sie ist: ein Einzelfall. Wer in den Gruppen etwas nicht mitmachen kann, kann jederzeit aufhören und in den Einzelbehandlungen ansprechen. Therapiepläne können jederzeit besprochen und geändert werden. Mir hatte man zu Beginn durch ein Versehen Nordic Walking verordnet - zu diesem Zeitpunkt ging ich noch an Unterarmstützen. Wir haben dann mal kurz gelacht und das Ganze rausgenommen, stattdessen mehr Bewegung im Wasser und MTT auf den Plan gesetzt. Auch hier gilt: der Ton macht die Musik. Es kommt immer so zurück, wie man in den Wald hinein ruft. Wer sich kompromisslos zeigt, wird auch dementsprechend behandelt. Wer alles etwas leichter nimmt (ja, das geht auch mit Schmerzen und Kummer, erfordert nur etwas mehr Contenance), wird wohl überall einen Kompromiss erzielen können. Mein Fazit: die Therapien während meines Aufenthaltes waren gut und ausreichend, manchmal auch etwas zu viel am Tag, weil es terminlich nicht anders ging, die Therapeuten bemüht und kompetent, die Ärzte (wie überall) eher selten zu sehen, die Vorträge informativ, das Freizeitangebot eher auf ältere zugeschnitten, aber alle, wirklich ALLE waren höflich, nett und jederzeit zum Scherzen aufgelegt, die Hauswirtschaft leistet hervorragende Arbeit. Ja, das Essen war nicht immer erstklassig, dafür eben Hausmannskost und essbar. Da habe ich schon ganz anderes erlebt. Mein persönliches Ziel, im Anschluss der Reha 500 Meter ohne Unterarmstützen und ohne Schmerzen laufen zu können, habe ich nicht ganz erreicht, aber 300 Meter schaffe ich jetzt, die Krücken bleiben im Auto, ein Gehstock hat mir zu genügen. Die digitale Nachsorge hat zwei Tage nach meiner Abreise bereits begonnen und nun liegt es an mir, was ich daraus mache. Wie schon die ganze Zeit über. Ob ich in zwei Jahren eine weitere Reha-Maßnahme nutzen werde und wo sie mich hinführt, weiß ich noch nicht. Aber wenn es wieder nach Bad Liebenwerda geht: warum nicht?”