Klinikum Wahrendorff — Tagesklinik für junge Erwachsene
“Ich war hier Ende 2023 / Anfang 2024 für circa 12 Wochen wegen Depressionen. Mir hat es sehr geholfen und ich kann die Klinik nur empfehlen. ---------------------------------------------------- Positiv: Personal / Therapeuten Ich weiß, dass es hier auch sehr verschiedene Meinungen zu gibt, was sicherlich auch davon abhängt, mit welchen Therapeuten man am meisten in Kontakt kommt. Vielleicht hatte ich also Glück, denn das Personal, welches ich während meiner Zeit kennengelernt habe, war nicht nur kompetent, sondern auch absolut locker und sympathisch. Man merkt, dass sie ihren Job gerne machen und mit uns Spaß haben können, ohne dabei an Professionalität zu verlieren. Die Leute dort haben eine echt coole Einstellung. Räume / Verpflegung Der Standort und die Einrichtung waren zu meiner Zeit sehr neu, mit Aufenthaltsraum, Therapieräume, Ruheraum, uvm. Es gibt Wasser, Tee, Kaffee und Obst. Das Mittagsessen ist typisch Krankenhaus, man kann sich aber auch einfach was mitnehmen oder in die Stadt gehen (war auch schon mal einkaufen um mir in der Küche selbst was zu kochen, hatte keiner ein Problem mit). Therapeutische Behandlung Breit gefächert bekommt man jede Woche einen neuen "Stundenplan": Jede Woche eine Einzeltherapie, mehrere Gruppentherapien, Sport, Kunst, Kochen, Backen, eine "Außenaktivität" (wir waren u.a. Schlittschuhlaufen, im Kunstmuseum und einer Arcade-Halle). Außerdem gibt es eine Reihe an weiterer "Kursen" zu verschiedenen Themen (z.B. soziale Kompetenzen, Schlafhygiene oder Skills). Ärztliche Behandlung Über die Aktivitäten hinaus hat die Klinik auch einen (sehr lieben, tollen!) Arzt, der sich für einen Zeit nimmt um die richtigen Medikamente zu finden und diese richtig einzustellen. Anfangs wird außerdem eine Reihe an Tests gemacht, u.a. um Blutwerte zu ermitteln. Für mich sehr sinnig, auch ggf. physische Probleme, wie zb Eisenmangel, mit einzubeziehen! Weitere Unterstützung Es gibt Personal, welches einem dabei helfen kann, das Leben außerhalb der Klinik zu bewältigen (z.B. in Bezug auf Anträge oder Kommunikation mit Uni, Arbeitgeber, Krankenkasse oder Arbeitsamt) oder den weiteren Weg nach der Klinik zu planen ("Sprechstunde Zukunft"). Entlassung Die Vorbereitung auf meine Entlassung war sehr angenehm. Therapeuten helfen einem ggf. dabei, einen ambulanten Therapieplatz zu finden. In meinem Fall wurde mir sogar dabei geholfen einen Psychiater zu finden. Viele optionale Angebote, um den Übergang zwischen Klinik und Alltag einfacher zu machen. ---------------------------------------------------- Negativ: Kontaktaufnahme Leider meist schwierig, dort erstmal jemanden ans Telefon zu bekommen, weil oft besetzt ist. Wartezeit Wie überall hat es mehrere Monate gedauert zwischen erster Kontaktaufnahme und "richtiger" Aufnahme in der Klinik. Regeln / Umgang mit Selbstverletzung Vorab zu wissen: Während des Klinikaufenthaltes können Alkohol- und Drogenkonsum, Gewalt (auch selbstverletzend) oder Zuspätkommen zum Rausschmiss führen. Soweit eigentlich verständlich, da die Therapieplätze so an Leute gehen, die das Ganze Ernst meinen. Der Umgang hier, insbesondere in Bezug zu SV scheint mir aber zu harsch. Die Message ist zwar: Personen, die sich selbst verletzen, können in einer TAGESklinik nicht richtig behandelt werden. Warum man hier dann aber nicht direkt weiter an eine andere Klinik vermittelt ist fragwürdig. ---------------------------------------------------- Fazit: Wenn die Rahmenbedingungen für einen stimmen und man sich auf die Therapie einlässt (heißt - aktiv mitmachen und an sich arbeiten) wird man hier wahrscheinlich gute Erfolgschancen haben! :) PS: Meinungen wie "man sitzt nur rum und puzzelt" sind mmn ein Zeichen falscher Erwartungshaltung. Die TK bedeutet Arbeit. An sich arbeiten. Aktiv die Zeit nutzen und einen Mehrwert aus den Angeboten ziehen. Wer nicht versteht, dass Gemeinschaftsaktivitäten mit Gleichaltrigen dabei helfen können (sei es um wieder mehr Spaß zu haben, sich auszutauschen, Freundschaften zu schließen uvm) hat den Sinn einer solchen Klinik noch nicht voll verstanden.”