Bingöl Grill
“Ein Ort, der nicht einfach besucht, sondern erlebt werden will. Schon beim Eintreten fällt die verbotene, glitzernde Wand auf – sie funkelt, als hätte sie ein Geheimnis, das nur bei Kerzenschein preisgegeben wird. Angenehm, ein wenig trotzig, und ganz sicher nicht genehmigt. Die Stühle – Sonjas Stühle – thronen stolz im Raum. Darauf liegen Teppiche, fein und fremd zugleich, als hätten sie beschlossen, lieber Sitzfläche als Bodenbelag zu sein. Ein Statement gegen die Schwerkraft des Alltäglichen. Die übertriebene, viel zu große Uhr hängt wie ein philosophischer Kommentar über allem: Zeit ist hier nur Dekoration. Daneben eine Säule mit römischem Stolz, vermutlich älter als der Grill selbst – „vor Christus“, aber mit Charme. Kulinarisch? Eine Sinfonie der Glut. Die Speisen – scharf, direkt, sperrig im Abgang – erzählen Geschichten aus überdimensionierten Städten und fernen Küchen. Nur eines fehlt: der Spieß. Ein Detail, das man nicht bemerkt, bis man ihn vermisst. Während fremde Rhythmen plätschern und meine Hüfte sanfte Kreise zieht, ist klar: Wir essen sehr gerne hier. Denn Völklingen hat selten so geglitzert, geschmeckt und getanzt zugleich. Fazit: Ein Grill mit Charakter – zwischen Antike und Avantgarde, zwischen Teppich und Spieß. Positiv auffällig, charmant unlogisch – und absolut empfehlenswert.”